Panama Stadt: mein Reisebericht über die Hauptstadt Panamas
- Ariana Bruehwiler
- 6. Feb. 2024
- 8 Min. Lesezeit
Panama Stadt hat mich bereits während der Taxifahrt mit Uber vom Flughafen in mein Hotel fasziniert. Ich spürte sofort diese Lust, welche Reisende kennen, wenn du an einem neuen Ort ankommst und es kaum abwarten kannst, auf Erkundungstour zu gehen.
Auf Spanisch heißt die mittelamerikanische Metropole „Ciudad de Panamá“. Hier lässt man aber „Ciudad“, also Stadt, weg und sagt nur Panama. Da ich mich bekanntlich nicht als Touristin, sondern als Reisende sehe, mache ich das den Einheimischen gleich und nenne die Stadt auch „Panama“. Sie ist nicht nur die Hauptstadt, sondern auch die wichtigste Stadt im Lande, mit knapp 900‘000 Einwohnern aber sehr überschaubar.
Panama wird den meisten bekannt sein wegen dem Panamakanal. Diese Stadt hat aber viel mehr zu bieten, Schönes und Nachdenkliches, und ist voller Gegensätze, denn die Elendsviertel liegen dicht an mit glänzenden Hochhäusern voller schicker Apartments. Viele Expats leben hier. Vor allem US-Staatsbürger verlegen ihren Wohnsitz nach Panama. Die Altstadt, Casco Viejo, ist ein lebhaftes Labyrinth aus Kirchen, Plätzen und Palästen. Und dann gibt es noch den modernen Teil, den Bankenviertel, genannt Financial District.
Die Stadt ist nicht nur das Zentrum des Landes, sicherlich auch wirtschaftlich eine Weltstadt, befinden sich hier doch international bedeutende Banken und Panama ist ja bekanntlich ein Offshore-Zentrum. Die Haupteinnahmequelle und gleichzeitig die Touristenattraktion ist dennoch der Panamakanal. Bei meiner Free-Walking-Tour (guruwalk.com) hat der Guide erzählt, dass die Stadt auch während Corona Dank des Kanals eine Einnahmequelle hatte. Es kamen zwar keine Kreuzfahrtschiffe, aber es gab mit den Containerschiffen weiterhin viel Verkehr. Seit meiner Kreuzfahrt weiss ich, dass die Durchquerung des Kanals sehr viel kostet. Für das Kreuzfahrtschiff, auf welchem ich war, soll es zwischen USD 100‘000 und 200‘000.00 gekostet haben.
Die Skyline von Panama am Amador Causeway - 5 km Spaziergang
Ich liebe die Skyline und ich kriege einfach nicht genug davon. Ich habe bereits unzählige Bilder auf meinem Smartphone, aus jeder Perspektive. Über 20 Wolkenkratzer in Panama sind mehr als 200 Meter hoch. Vom Roof-Top-Pool meines Hotels, Stock 15, kann ich über die tolle Skyline sehen. Am besten gefällt mir der F&F-Tower. Er ist so cool spiralförmig und die Fassade ist aus Spiegeln, deshalb scheint er so schön in der Sonne. Ich kann mich auch immer an ihm orientieren, wenn ich in der Stadt spaziere.
Der F&F-Tower - ein Wahrzeichen der Stadt
Die grünen Ecken von Panama Wer dem Stadtleben entfliehen möchte kommt auch nicht zu kurz. Mein Geheimtipp: der Parque Omar. Man kann den Park bei einem 3.9 km langen Spaziergang umrunden, einfach im Schatten der Bäume liegen oder als Familie mit Kindern den Spielplatz nutzen. Gefunden habe ich den Park zufällig, als ich mit meinen Mitcruisern unterwegs war, welche ich hier wieder traf.
Gut 24 km vom Zentrum entfernt befindet sich der Soberania Nationalpark, ein hervorragendes Ziel, um wandern zu gehen und Vögel zu beobachten. Da ich bereits in Costa Rica in unzähligen Nationalparks war verzichte ich jedoch auf einen Besuch.
Um einen fantastischen Ausblick auf den Panamakanal zu ergattern lohnt es sich mit einem Taxi, Uber oder dem Bus bis zum Miraflores Lock zu fahren. Dort gibt es auch ein Informationszentrum. Auch dieses Highlight kann ich mir sparen, ich habe den Panamakanal live erlebt, als wir ihn auf meiner 73-tägigen Kreuzfahrt durchquert haben. Ich mag mich noch gut erinnern, wie wir mit dem Schiff am Miraflores Lock ankamen, es war schon am Eindunkeln, und ich auf die Skyline von Panama sah und mir dachte: dort möchte ich hin. Und nun bin ich hier 😊.
Die Quartiere von Panama
Panama hat 19 verschiedene Quartiere, wobei die Anzahl abhängig ist von der Definition eines Stadtteils. Ich erkunde diese hauptsächlich zu Fuss. Am besten gefällt mir die Altstadt, die Casco Viejo. Bis heute sind die Ruinen der alten Panama Stadt besuchbar. Nach der Zerstörung 1671 durch einen englischen Piraten wurde die panamaische Hauptstadt komplett neu erbaut. Die Altstadt ist ein tolles Ausflugsziel zu jeder Tageszeit. Ob Shopping in den kleinen Läden, zum Kaffeetrinken am Nachmittag oder Essen und Nachtleben, hier wird es nie langweilig. Ich habe alles ausprobiert, inklusive Barcrowl Tour 😊.
Mein Hotel befindet sich im Quartier „Financial District“. Es gibt hier etliche Banken, Firmen und Wolkenkratzer. Das Quartier bietet viele Essmöglichkeiten, Shopping Malls und die Leute hier wirken sehr beschäftigt. Das stelle ich fest, als ich letzte Woche die Spanischschule aufsuchte, um mich für die DELE-Prüfung (Spanisch Diplom) vorzubereiten. Ich hatte an vier Tagen Vorbereitungskurs, welcher jeweils um 9 Uhr begann. Ich lief dafür 25 Minuten zur Schule, welche sich in einer kleinen Shoppingmall, der Tatilla Plaza, befindet. Auf dem morgendlichen Weg stelle ich den regen Autoverkehr fest, das Gehupe und sehr viele Businessleute, welche mit dem Coffee-to-go oder der Wasserflasche in der Hand ihre Büros aufsuchen.
Einkaufen und Shopping
Was für mich natürlich in einer Stadt auch wichtig ist, sind die Shopping-Möglichkeiten. Es gibt hier viele Einkaufszentren. Mir gefällt das Multiplaza am besten. Es ist zu Fuss in 20 Minuten von meinem Hotel zu erreichen. Die Läden bieten alles, auch was die Preisklasse betrifft. Obwohl derzeit alles im Ausverkauf ist kann ich nicht wirklich zuschlagen, da mein Reisegepäck keine übrigen Kilos hergibt. Dennoch bin ich öfters im Multiplaza anzutreffen, denn es ist ein guter Ort, um zu essen. Nebst dem Foodcourt findet man auch „Las Terrazas“, eine Terrasse im obersten Stock mit verschiedenen Restaurants (Italienisch, Amerikanisch, Libanesisch, Lokal, Sushi). Ich habe das Sushi Restaurant für mich entdeckt, da es Keto-Sushi anbietet. Weiter gefällt mir die Atmosphäre dieses Restaurants, der Service ist super und die Preise unschlagbar. Meine Sushi-Platte bekomme ich für USD 11.00. Es gibt auch zuckerfreie Smoothies und andere gesunde Speisen, wenn man wie ich "in shape“ bleiben möchte. Das Thema Essen in Panama beschreibe ich im Weiteren.
Kulinarik in Panama
In Panama ähnelt die Küche derjenigen, die ich aus Costa Rica kenne. Es gibt bereits zum Frühstück Reis und Bohnen. Reis gibt es natürlich auch mit Fleisch, z.B. ein Eintopf mit Huhn, Rind oder Schweinefleisch und dem Gemüse / Kartoffel Yuca, bei uns bekannt als Maniok. Natürlich darf das Ceviche nicht fehlen. Es kommt ursprünglich aus der peruanischen Küche und ist roher Fisch, gegart in einem Sud mit Limettensaft. Ich habe es aber schon in Costa Rica kennengelernt, dort nicht gemocht – ich glaube ich habe einfach eine schlechte Variante erwischt. Hier in Panama mag ich es. Was ich liebe sind die Patacones. Für die Zubereitung der Patacones werden grüne Kochbananen verwendet, die flachgedrückt und gebraten werden. Da Panama so multikulti ist, gibt es hier eine Fülle an Restaurants aus aller Welt und in jeder Preisklasse. Was die Restaurants bzw. die Fast-Food-Ketten anbelangt spürt man hier aber den grossen Einfluss aus den USA. Die Preise variieren je nach Quartier, z.B. in der Altstadt, sehr sicher und touristisch, sind die Preise natürlich höher. Was es in Betracht zu ziehen gibt ist, dass die Portionen riesig sind und man vielfach ein Menu teilt (siehe Fun Facts weiter unten). Und, in Restaurants essen kommt nicht viel teurer, als das Essen im Supermarkt zu kaufen.
Reis und Bohnen mit Huhn und Salat - ein typisches Mittagessen
Klima
Mir gefallen die Temperaturen hier, denn in Panama ist Sommer von Dezember bis Ende März, danach fängt die Regenzeit an. Ich bin also zu einem idealen Reisezeitpunkt hier. In der Stadt finde ich es sehr heiss, dies sicherlich auch wegen der hohen Luftfeuchtigkeit, mit der wir Europäer oft zu kämpfen haben. In der Nacht kühlt es nie ab und so kann ich getrost ohne Jacke in den Ausgang. Wenn ich Einheimischen erzähle, dass ich aus der Schweiz bin sagen sie als erstes: es frio allì, dort ist es kalt. Wie schön, dass ich mal einen Schweizer Winter auslassen kann :-).
Sicherheit und Fortbewegung
Ich habe Panama als sicher wahrgenommen. Wie in jedem Land bzw. in jeder Stadt gibt es Viertel, die man meiden sollte. Ich habe eine Erfahrung gemacht, als ich mich plötzlich nicht mehr wohl fühlte. Ich wollte den Aussichtspunkt Cerro Ancon besuchen. Von diesem Hügel soll man eine atemberaubende Aussicht auf die Stadt haben. Ich habe mich online eingelesen und Reisetipps von anderen Reisenden gesehen. Rückblickend fand ich das nicht so prickelnd und würde abraten, zumindest alleine, dorthin zu gehen. Als ich nämlich am Ausgangspunkt ankam (einen Teil konnte ich mit der Metro machen, den Rest laufen) stellte ich fest, dass es kaum Leute hatte, welche den Aufstieg machen wollten. Bereits bei diesem Teil zu Fuss fühlte ich mich nicht wohl. Von meiner U-Bahn-Station bis zum Ausgangspunkt habe ich wohl eine weniger sichere Gegen erreicht und mir fällt auch auf, dass es keine Touristen mehr hat und mir Einheimische komische Blicke zuwerfen. Ich habe dann entschieden, den Aufstieg nicht zu machen und habe mir ein Uber bestellt. Dies war eine super Entscheidung, hat der Uber-Fahrer mir doch als erstes gesagt: es peligroso aquí, es ist gefährlich hier.
In der Stadt kann ich mich gut mit der Metro fortbewegen. Für zwei Dollar habe ich eine Metrocard gekauft und kann jeweils die Strecke bis zu meinem Lieblingsort der Altstadt für 35 Cents fahren. Ein Einheimischer erzählte mir, dass der Ausbau der Metrostation läuft, auch in die Vororte, wo viele Pendler wohnen. Der Verkehr in der Innenstadt ist nämlich schon krass, besonders am Morgen und zu Feierabend. Und einen Tag nach Zahltag, da wollen alle ihr Geld ausgeben, wie mir ein Uber-Fahrer sagte, als meine Fahrt Ende Monat aufgrund des regen Verkehrs sehr lange dauerte.
Der internationale Flughafen “Tocumen” ist ca. 25 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und dient als Drehkreuz für Mittel- und Südamerika. Es gibt noch einen weiteren Flughafen für Inlandflüge, welchen ich für meinen nächsten Stopp aufsuchen werde. Ich werde mit der Air Panama in die Kleinstadt David fliegen, um danach mit dem Bus nach Boquete zu gehen und nach drei Wochen Stadtleben die grünen Ecken des Landes und das Wanderparadies Boquete zu entdecken.
Meer und Strände Auch Badeurlauber kommen in Panama auf ihre Kosten und können an einem der Strände der Costa Pacifica oder auf der Blumeninsel Taboga das Strandleben genießen. Taboga wurde je nach Reiseblog als verschlafen und nicht lohnenswert bezeichnet, weshalb ich ursprünglich darauf verzichten wollte. Mein Mitcruiser Steve hat mich dann aber überzeugt und sogar eingeladen auf einen Katamaran-Trip. Die Zeit auf dem Katamaran war toll, mit einer Bar und Lunch inklusive. Wir konnten vom Boot in das kühle Nass springen, anders als in der Karibik war es wirklich eine Abkühlung. In Taboga hatten wir zwei Stunden Aufenthalt und mir kam es vor wie auf meiner Kreuzfahrt, als ich mit meinen neuen Freunden an Land ging, um einen neuen Ort zu erkunden.
Die Blumeninsel Taboga ist ein Besuch wert
Taboga hat einen schönen Strand und es ist überall so ruhig
Weiter habe ich einen Strandtag auf der Insel Las Perlas verbracht. Bis zum Eco-Beach-Resort dauerte die Bootsfahrt zweieinhalb Stunden, welche ich sehr genossen habe. Ich liebe einfach das Meer und vom Hafen aus habe ich viele Schiffe gesehen. Zu dieser Zeit nur Frachtschiffe, denn am selben Morgen sollte die Zaandam den Kanal durchqueren. Mein altes Zuhause auf Zeit habe ich leider verpasst, kam die Zaandam doch erst am Kanal an, als wir mit dem Boot schon in der anderen Richtung waren.
Eine Insel, die bei vielen Besuchern auch auf der Must-See-Liste steht und nach der mich viele fragten ist San Blas am karibischen Meer. Da ich auf meiner Kreuzfahrt aber schon so tolle Orte in der Karibik gesehen habe bezweifle ich, dass mich diese Insel umhauen würde. Zudem ist ein Tagestrip von der Stadt aus sehr weit und mit Übernachtung kostet es schnell mal über 200 Dollar, was mir einfach zu viel ist. Ich habe deshalb auch darauf verzichtet.
Mein Fazit
Panama ist definitiv ein Besuch wert und ich glaube, dass diese Stadt in Mittel- und Südamerika unterschätzt oder vielfach vergessen geht. Wenn ich an alle Hauptstädte denke, welche ich hier besucht habe (San José, Buenos Aires, Montevideo, Bogota, Lima, Quito, Mexiko City) steht Panama sicherlich unter den Top 3.
Zum Abschluss noch ein paar Fun-Facts:
Esse oder snacke in Panama nie während du läufst, das ist hier ein absolutes No-go!
Du glaubst ein Menu kostet viel? Es ist zum Teilen gedacht. Hier bestellt man eine Vorspeise und der Hauptgang wird im Teller oder in einer Pfanne in die Mitte des Tisches gestellt, damit sich jeder bedienen kann.
Das Verhältnis zur Zeit ist nicht wie bei uns: die Panameños nehmen es gerne langsam und Pünktlichkeit steht nicht an erster Stelle. Es kann also sein, dass man gut und gerne mal länger auf einen Kaffee oder sein Essen wartet. Zudem ist die Mittagszeit später, zum Teil wird hier erst um 15 Uhr Lunch gegessen.
Panama hat eine eigene Währung, den Balboa. Die Umrechnung ist jedoch 1 zu 1 mit dem USD und es gibt keine Noten in dieser Währung, sprich nur Balboa Münzen. Noten sind die USD-Scheine, auch wenn du an den Bancomat gehst erhältst du Dollar-Noten.
Auch Wäsche waschen gehört beim Reisen dazu. In meinem Cityhotel kann ich für B2.00 (Balboa bzw. USD 2.00) waschen, ganz altmodisch mit Münzen
Hier gibt es noch Telefonzellen und die werden tatsächlich benutzt
Reisen macht bescheiden. Es lässt dich erkennen, was für einen winzigen Platz du in der Welt einnimmst.
Sehr spannender und interessanter Bericht! Sehr animierend! Chapeau! LG 🙋♂️🙋♂️